Pfarrer

Liebe Mitglieder und Freundinnen und Freunde der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Balaton-Héviz,

Wenn man in diesen Tagen in den Parkanlagen spazieren geht, dann weiß das Auge gar nicht, wohin es schauen soll. Die Fülle der Farben und Formen, die die Erde hervorbringt sind mit Worten gar nicht zu fassen. Blütenvielfalt von zartrosa bis tiefrot. Alte Bäume spenden Schatten.    

Es gibt keinen schöneren Ort, denke ich mir, an einem sonnigen Tag, als dort unter den Bäumen sitzen zu dürfen. Kein Palast, kein Penthouse, kein Whirlpool können da mithalten.

Gott denkt genauso. Für den Menschen gibt es keinen besseren Ort als den Garten. Als Gott mit seiner Schöpfung fertig war und einen Tag geruht hatte – da machte er sich gleich ans Werk: „Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden.“ Herrlich anzusehen, mit Bäumen und Früchten und Flüssen.

Der Garten – ein Urbild des Menschen von Heimat, von aufgehoben sein, von angekommen sein. Hier komme ich her, hier will ich sein. Hier werde ich sein.

Vom ersten Ort des Menschen wandelte sich der Garten Eden, das Paradies, zu seinem letzten Aufenthaltsort. Ein Ort, wo er nur noch weilt, wenn er nicht mehr ist.

Der Garten, das Paradies als Ort der Sehnsucht. Die Menschen sehnen sich umso mehr nach ihm, je weiter sie von ihm entfernt sind.

Der Sehnsuchtsort von uns modernen Menschen ist dann vor allem einer ohne Hektik und Stress, voller Ruhe. Etwas zum Entspannen. Gott will auch keine gestressten Menschen. So wie in der Vision des Propheten Micha, wo ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum sitzt und ihn nichts mehr schreckt, weil alle Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet sind, so sieht er unsere Zukunft. Aber in der Gegenwart machen wir es uns gegenseitig schwer. Wir erlauben uns selbst und den anderen diese Entspanntheit nicht. Und wir vergessen darüber, was alles möglich wäre.

Ein schöner Garten, eine gepflegte Parkanlage an einem sonnigen Tag – das ist für uns eine Einladung, unsere Sehnsucht zu spüren nach einem guten Ort. Und diese Vollkommenheit für eine Weile zu genießen. Und den Impuls mitzunehmen, den Rest der Welt immer näher dahin zu bringen.

Eine schöne Sommerszeit in ihrem eigenen Garten oder auf der Suche nach einem heimeligen Ort irgendwo anders wünscht    

Ihre/Eure
Rita Mick-Solle


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