Pfarrer

„Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen ist wichtig…"

Liebe Mitglieder und Freundinnen und Freunde der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Balaton-Héviz,

  

     Auf einer Karte, die vor einigen Jahren geschenkt bekommen habe, steht: „Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen ist wichtig…“ Ein Satz des Bischof Franz von Sales. Er lebte Anfang des 17. Jahrhunderts in Genf.

Klar, denke ich, so ein Satz passt in die damalige Zeit: fromm waren die Menschen allemal und fanden auch die Ruhe, so zu leben. Kein Stress, keine Hektik, sie kannten kaum die Uhrzeit, geschweige denn

das Denken in Stundenkilometern, Bytes und Mitgliederwerbung, was mein Leben so bestimmt.

Aber der Satz geht ja noch weiter: „Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen ist wichtig, außer wenn man viel zu tun hat…“ Richtig, fühle ich mich bestätigt, bei all dem Arbeitspensum bleibt eben oft keine Zeit zu Gebet oder Stille. Das hat also auch schon der alte Bischof gewusst. Und im Internet mal schnell schlau gemacht bei „Wikipedia“ wird mein Verdacht bestätigt, dass dieser Franz so weltfremd gar nicht war, sondern versucht hat, Religion und Alltag miteinander zu verbinden. Ganz nah war er an den Menschen dran, versuchte sie in seiner persönlichen Hinwendung zu verstehen, durch Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit zu helfen und zu raten. 

Die Überraschung ist, der Satz hat noch einen Nachsatz: „Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen ist wichtig, außer wenn man viel zu tun hat. Dann ist eine ganze Stunde nötig.“

Ich erschrecke, weil ich ganz genau spüre, wie recht Franz von Sales hat: Das stimmt auch mit heutiger Logik überein: Umso schneller und kräftiger ich unterwegs bin, desto öfter muss ich tanken. Umso größer mein Arbeitspensum, desto wichtiger sind geistliche Raststätten und geistige Zwischenstopps. Die verhelfen mir zu neuem Schwung und Elan. Wie die Gottesdienste, in denen ich spüre, dass Gott inmitten unter uns ist. Diese Raststätten und Zwischenstopps sind lebenswichtig. Sie können nicht warten!

In den kommenden kürzer werdenden Tagen und länger werdenden Nächte können wir uns einüben zu rasten und innezuhalten. Bei hoffentlich wenig Stress dürfen wir auch ganz klein beginnen.

Ich wünsche uns allen eine Zeit des Innehaltens und zur Ruhekommens

Ihre/Eure
Rita Mick-Solle

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