Pfarrer

„Frohe Pfingsten"


Was heißt das? Vielleicht: Genieße Dein längeres Wochenende, lass es Dir gut gehen? Nein, liebe Leser und Leserinnen, „Frohe Pfingsten!“ heißt so viel wie: Ich wünsche Dir ein glückliches, erfülltes und vielfarbiges Leben!

Pfingsten feiern wir das Geschenk des Heiligen Geistes. Die Apostelgeschichte beschreibt das so: Der Heilige Geist lässt sich in einem gewaltigen Rauschen, wie Flammenzungen auf die nächsten Freunde Jesu nieder und reißt alle Verständnisbarrieren zwischen ihnen und den anderssprachigen und anderskulturellen Menschen nieder.

Anderen Menschen, die einfach nur vorübergingen, kam das so vor, als wären die alle betrunken; in Wirklichkeit waren sie voller Freude und voller Begeisterung, dass sie die Botschaft Jesu nun verstehen konnten, die Botschaft von der Liebe Gottes.

Und noch mehr: Sie konnten sehen, dass diese Botschaft nicht nur einem Volk, sondern der ganzen Menschheit gilt. Und mit dem Geschenk des Heiligen Geistes war die Weltkirche geboren, die dann in der ganzen Welt, in allen menschlichen Kulturen Fuß fassen konnte.

Was begeistert Dich? Wann kannst Du völlig aus dem Häuschen geraten? Wann können wir überhaupt von einem Geist sprechen, der heilig ist? Also Gutes und Positives entstehen lässt?

Du findest diesen Gedanken vom Heiligen Geist fremd? Dabei leben wir ihn täglich in unserem Alltag. Immer wenn wir sagen „Da ist mir etwas Gutes eingefallen!“ oder „... und da habe ich mich verliebt!“ oder „und mit einmal habe ich die Aufgabe oder das Problem verstanden“ oder „… auf einmal habe ich Kraft bekommen, das alles durchzustehen!“; immer dann geben wir zu, dass das nicht aus uns selber kommt, sondern uns etwas zugefallen ist. Irgendwie, ohne genau zu wissen wie, eben einfach so. Christen nennen das die Kraft Gottes, den Heiligen Geist, die Kraft, die die Kirche zusammenhält, die Kraft, die in Jesus besonders deutlich zu erkennen war, die Kraft, die Gutes bewirkt.

Diese Kraft war schon oft in der Menschheitsgeschichte tätig. Ich glaube, dass sie in Deutschland unmerklich, aber gewaltig gebraust hat, als sich Deutschland ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, ohne Unterdrückung und Gewalt, vereinigen konnte. Für mich ist das nach wie vor ein großes Wunder, das durch Gottes Geist zustande kommen konnte.

Dieser Geist erscheint, wo er will, unverfügbar, nicht genau zu bestimmen, schon gar nicht zu ordnen oder zu regeln. Es ist eben Gottes Geist, der uns 50 Tage nach Ostern geschenkt wurde, und der hat seine ganz eigenen Regeln.

In allen Krisengebieten in unserer Welt wünsche ich solches Wirken des Geistes, in der Ukraine, in Syrien, in Afghanistan, in Afrika, in Asien, in Europa. Mögen alle Regierungen der Staaten und ebenso die Bevölkerungen, egal, welcher Religion, von diesem auf Frieden und Freiheit gerichteten Geist ergriffen werden.

Frei werden von den Fesseln des Krieges und der Unterdrückung – das trifft es für mich am besten, was ich mit Pfingsten verbinde. Wo Gottes Geist weht und wir uns anstecken lassen, da wird neue Gemeinschaft gestiftet. Untereinander und mit Gott. Das begeistert mich – nicht nur zu Pfingsten.

Euch / Ihnen allen wünsche ich ein „Frohes Pfingsten!“, also ein glückliches, erfülltes, vielfarbiges und verwandeltes Leben!

Ihre/Eure
Rita Mick-Solle    

©  2022  Tourismusseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hévíz    |    Impressum    |    Webauftrittt von itp Lanzarote