Pfarrer

Liebe Mitglieder und Freunde und Freundinnen der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Balaton-Héviz,


Stille Nacht, heilige Nacht!

Alles schläft, einsam wacht

nur das traute, hochheilige Paar.

Holder Knabe im lockigen Haar,

schlaf in himmlischer Ruh,

schlaf in himmlischer Ruh.


„Stille Nacht, heilige Nacht", dies ist gewiss eines der bekanntesten Weihnachtslieder überhaupt - weltweit verbreitet. Und vielleicht geht es manchen von Ihnen ähnlich wie mir: Seit meiner Kindheit ist das Weihnachtsfest für mich mit diesem Lied verbunden. So lange ich zurückdenken kann: Am Heiligen Abend gehörte es dazu. Wenn die Gemeinde im Gottesdienst, in der Regel am Schluss, „Stil-le Nacht" sang, dann hat mich das als Kind sehr berührt. Ich konnte dabei spüren: Viele Menschen um mich herum wirken ein wenig in sich versunken. „Andächtig" würde ich es heute auch nennen. Jedenfalls war die außergewöhnliche Atmosphäre dieses Gottesdienstes in diesem Lied gleichsam verdichtet. Der besondere Glanz des Heiligen Abends spiegelte sich darin. Was wäre Weihnachten ohne dieses alte Lied!

In diesem Jahr wird die Heilige Nacht stiller werden, als wir es uns wünschen. Die Gottesdienstbesucher können nicht dichtgedrängt beieinandersitzen. Bei unserer kleinen Gemeinde werden zwei bis drei Christvespern ausreichen, um für unsere in Ungarn weilenden Mitglieder einen stimmungsvollen Heilig Abend in der Corona Zeit zu ermöglichen.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ - Joseph Franz Mohr, Pfarrer der katholischen Gemeinde, hat den Text gedichtet und sein Organist Franz Xaver Gruber die Melodie komponiert. Am Heiligen Abend im Jahr 1818 ist das Lied zum ersten Mal erklungen: Der Pfarrer und Dichter singt die Strophen selbst, und der Komponist begleitet ihn mit der Gitarre.

Bald hat sich eine ausführlichere Geschichte um diese Uraufführung gerankt: Weil die Orgel ausgefallen war, mussten Pfarrer und Organist am Heiligen Abend nach einer anderen Lösung suchen; und aus dieser Notlage heraus ist das Lied in kurzer Zeit geschaffen worden. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass der Text schon früher entstanden ist. Doch so viel ist sicher: Dichter und Komponist haben ihr neues Weihnachtslied am Heiligen Abend 1818 in Oberndorf im Salzburger Land zum ersten Mal öffentlich vorgetragen; und es wurde von der Gemeinde begeistert aufgenommen.

Viele Menschen in dieser Gemeinde in Österreich waren verarmt. Hinter ihnen lag eine schwere Zeit, denn sie hatten die Besetzung des Landes durch Napoleon miterlebt. Der Krieg hatte seine Spuren hinterlassen; und die Existenzgrundlagen der Schiffer und Flößer in dieser Gegend waren sehr schlecht geworden. Für diese Gemeindeglieder dichten und komponieren der Pfarrer und der Organist ein Lied, das die Menschen erreicht, welches sie aufrichtet und bewegt. Eine besondere Situation, in der ein eindrückliches Lied entstand.

Möge dieses Lied, in unserer besonderen Situation, unseren Verstand und unser Gemüt erreichen. Möge der Zauber, die Atmosphäre und das Geheimnis der Heiligen Nacht, die in diesem Lied eingefangen sind, berühren und bewegen. Wer weiß, was in der Corona-Krise an Neuem entstehen wird. Eines Tages werden aber viele zurückblicken und sagen: „Weihnachten 2020 – ich war dabei!“

Mit allen guten Wünschen für eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, für einen getrosten Jahreswechsel und ein friedvolles, gesundes Neues Jahr grüßt Sie

Ihre
Rita Mick-Solle


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